Sportmedizinische Leistungsdiagnostik

Die Vorbereitung

In Zeiten zunehmenden Gesundheitsbewußtseins streben immer mehr Menschen durch die Ausübung eines Freizeitsportes nach körperlichem und geistigem Wohlbefinden. Dies besonders, um für den Alltag mit seinen vielen verschiedenen Beanspruchungen einen Ausgleich zu finden. Aber auch Personen, die ihre Erwerbsarbeitszeit bereits hinter sich gebracht haben, finden heute den Weg zu sportlicher Aktivität aus Gründen der Fitness bzw. aus medizinischer Indikation zur Sekundärprophylaxe nach Herzkreislauferkrankungen. Aus welchen Überlegungen heraus auch mit einer sportlichen Betätigung begonnen wird, sollte dies nicht ohne eine Sporttauglichkeitsuntersuchung und Beratung durch einen geeigneten Arzt erfolgen. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland pro Jahr zu einer beträchtlichen Zahl von Fällen eines plötzlichen Herztodes im Rahmen des Sports durch nicht diagnostizierte Herzkreislauferkrankungen bzw. durch Überbeanspruchung kommt.
Aufgrund entsprechender Vorfälle besteht weitgehend Konsens unter den Sportverbänden darüber, daß im Profilager als auch im Breitensport eine medizinische Eingangsuntersuchung erfolgen sollte, um Erkrankungen des Herzkreislaufsystems rechtzeitig erkennen zu können. Dies betrifft in der Regel Erkrankungen wie den arteriellen Hypertonus, Zuständen nach unerkannten Herzmuskelentzündungen, Verengungen der Herzarterien mit einhergehender Infarktgefahr und Herzrhythmusstörungen.
Auch im fortgeschrittenen Alter ist durch sportliche Aktivität noch ein Trainingseffekt und ein positiver Stimulus für die Gesundheit sowie für ein psychisches Wohlbefinden zu verzeichnen. Besonders führt die sportliche Aktivität in diesem Lebensabschnitt zur Steigerung der Lebensfreude durch eine Bestätigung der doch noch relativ guten Belastbarkeit. Die besonders positiven Wirkungen bezüglich der Osteoporoseprophylaxe sind nicht zu vergessen.
Um die individuelle Tauglichkeit und den optimalen Trainingsbereich nun festlegen zu können, gehören folgende Komponenten zu einer Sporttauglichkeitsuntersuchung:
Körperliche Untersuchung

12-Kanal-EKG
Lungenfunktionsprüfung
Blutdruckmessung
Echokardiographie ( Ultraschall des Herzens )
Belastungs-EKG mit Feststellung des Blutdruckes unter körperlicher Aktivität.
Bei ambitionierten Freizeitsportlern und allen intensiver Trainierenden, sollte eine Spiroergometrie zur genauen Festlegung des optimalen Trainingsbereiches durchgeführt werden.

Sportmedizinische Leistungsdiagnostik

Im Rahmen dieser Methode wird unter körperlicher Belastung die Sauerstoffaufnahme (VO2) und die Kohlendioxydproduktion (VCO2) gemessen. Gleichzeitig werden permanent EKG und Blutdruck dokumentiert. Aus den gemessenen Daten kann dann unter Berücksichtigung der Lungenfunktionsparameter die individuelle anaerobe Schwelle bestimmt werden. Dies ist ein Stoffwechselbereich, in dem unter zunehmender körperlicher Belastung die Möglichkeit entsprechende Stoffwechselprodukte der Muskeln zu verarbeiten, schwindet. Letztlich kann zum Beispiel die dabei anfallende Milchsäure (Lactat) nicht mehr abgebaut werden. Es folgt die Ansäuerung des Körpers mit dann baldigem Abbruch der körperlichen Belastung wegen Erschöpfung. Von der Herzfrequenz zum Zeitpunkt der anaeroben Schwelle und der maximal möglichen Sauerstoffaufnahme ausgehend, kann eine genaue, individuelle Trainingsempfehlung ausgesprochen werden. Auch die Beurteilung und Dokumentation eines Trainingseffektes ist bei entsprechenden Kontrollen reproduzierbar möglich.
Obwohl die Krankenkassen diese Untersuchungen aus dem Fundus der Solidargemeinschaft nicht in jedem Fall übernehmen können, sollte doch jeder einzelne, als auch die Vereine für sich entscheiden, solche Untersuchungen durchführen zu lassen. Auf Grund des genannten Risikos eines nicht individuell angepassten Trainings, sollte diese Entscheidung leicht zu treffen sein. Die beschriebene Methode wird auch eingesetzt, um die medikamentöse Behandlung bei schwerst Herzkranken zu steuern. Hierbei erwartet man eine verbesserte Sauerstoffaufnahmekapazität nach entsprechender Therapie und auch unter diesen Umständen oft möglichem, angepassten körperlichen Training.
Nach erfolgter Spiroergometrie kann dann der Trainierende unter Kenntniss seiner maximalen Sauerstoffaufnahme, seiner individuellen maximalen Herzfrequenz sowie der Herzfrequenz im Bereich der anaeroben Schwelle, sein Training unter Zuhilfenahme einer Pulsuhr selbst steuern.
Der Sauerstoffverbrauch spiegelt den jeweiligen Stoffwechselaufwand am besten wieder. So liegt der Sauerstoffverbrauch beim Gehen mit 6 km pro Stunde bei ca. 17 ml/kg pro Minute. Beim Laufen mit 12 km pro Stunde wird dieser Wert schon etwas mehr als verdoppelt.
Personen bis 35 Jahre haben eine Sauerstoffaufnahmefähigkeit von mehr als 40 ml/kg pro Minute. Nach neueren Untersuchungen zeigte sich, daß eine Leistungsverbesserung erst bei einer Belastungsintensität von über 50 % der maximalen Sauerstoffaufnahme zu erwarten ist. Dies bedeutet, dass einfaches Gehen für junge und gesunde Personen aufgrund der niedrigen Beanspruchung keinen wesentlichen Trainingseffekt aufweist. Dies ist jedoch bei schlecht Trainierten und bei dem größten Teil unserer Bevölkerung über 50 Jahren ganz anders. Hier kann regelmäßiges Gehen zu einer Leistungsverbesserung führen.
Bezüglich der Fettverbrennung findet sich der maximale Fettabbau beim leichten Dauerlauf mit einer Belastungsintensität von 60 - 65 % der maximalen Sauerstoffaufnahme. Dies jedoch nur bei einer Mindestdauer von ca. 20 Minuten.
Als generell gültige Empfehlung sollte gelten, dass im Rahmen der Wiederaufnahme einer sportlichen Aktivität, die Leistungssteigerung langsam und an das persönliche Wohlempfinden des Einzelnen angepasst, erfolgen sollte.
Insgesamt ist zu erwarten, dass die sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen mit zunehmend flexibleren Lebensarbeitszeiten und einer immer größer werdenden Gruppe von noch körperlich aktiven Senioren zu mehr sportlicher Betätigung in diesem Lebensabschnitt führen wird. Aber auch Jüngere sollten zur Vorbeugung zivilisatorischer Erkrankungen den Weg zurück zu den Sportvereinen nicht scheuen.

J. Otto

Schlafapnoediagnostik